
Impfungen können ein wirkungsvoller Schutz gegen schwere Erkrankungen sein. Sie sind jedoch ein nicht zu unterschätzender Eingriff in das natürliche Immunsystem und immer auch mit dem Risiko von vorübergehenden oder dauerhaften Schäden verbunden.
Haustiere und Pferde werden
häufig in sehr viel kürzeren Abständen geimpft als Menschen, obwohl sich die Funktionsweise des Immunsystems nicht unterscheidet. Tiere verfügen ebenso wie Menschen über ein Immungedächtnis, das sich auch viele Jahre nach einer Infektion oder Impfung noch an die erfolgreiche Bekämpfung erinnert. Bei Tieren gibt es jedoch kaum Untersuchungen über die maximale Dauer des Impfschutzes. Auch über mögliche Risiken weiß man im Vergleich zu Humanimpfstoffen wenig.
Was Tierhalter und auch viele Tierärzte über Schutz- und Nebenwirkungen von
Impfstoffen erfahren, stammt zumeist von den Herstellern der Impfstoffe selbst.
Unabhängige und objektive Impfaufklärung ist selten.
Der Journalistin Mo Peichl ist es zu verdanken, dass Tierhaltern in Deutschland heute Informationen zugänglich sind, die zeigen, dass die Schutzwirkung vieler Impfstoffe für Hunde und Katzen zweifelhaft und die jährlichen Wiederholungsimpfungen in den meisten Fällen überflüssig oder gar schädlich sind.
Ergänzend sollen hier für Pferdehalter die wenigen unabhängigen und wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse dargestellt werden, auf deren Grundlage eine Abwägung zwischen der erhofften Schutzwirkung und dem Risiko von Nebenwirkungen stattfinden kann und die eine verantwortungsvolle Impfentscheidung durch den Tierhalter ermöglichen.
Tetanusimpfung - Schutz für viele Jahre
Tetanus ist eine schwere Erkrankung, die den Tod des betroffenen Tieres zur Folge haben kann. Sie wird verursacht durch das Gift des Tetanus-Bakteriums, das zentralnervöse Störungen hervorruft. Selbst nach Ausschöpfung aller therapeutischen Möglichkeiten sterben 50-80% der betroffenen Tiere.
Bei der Schutzimpfung wird das Tetanustoxin in abgeschwächter Form gespritzt. Für die Grundimmunisierung werden Fohlen erstmals nach dem Absetzen geimpft, also etwa im Alter von 6 Monaten. Die Impfung wird nach 4-8 Wochen wiederholt. Eine zweite Wiederholungsimpfung nach 6-12 Monaten wird empfohlen.
Hersteller von Tetanus-Impfstoffen für Pferde in Deutschland geben an, dass die Impfung alle 2 Jahre wieder aufgefrischt werden soll. Diese Aussage der Hersteller bedeutet, dass sie geprüft haben, ob über die Dauer von zwei Jahren eine schützende Menge von Tetanus-Antikörpern im Blut der geimpften Tiere nachweisbar ist (=Titer). Es bedeutet nicht, dass die Wirkung nach zwei Jahren aufhört - es bedeutet, dass die Hersteller nicht länger getestet haben.
Eine Untersuchung deutscher Forscher beschäftigte sich mit der Entwicklung des Titers im Anschluss an die Grundimmunisierung über einen Zeitraum von vier Jahren. Dabei wurde bei allen 30 untersuchten Pferden vier Jahre nach der Grundimmunisierung ein Antikörpertiter ermittelt, der auf einen ausreichenden Schutz schließen lässt.
Eine weitere
Untersuchung bei Pferden, die über einen noch längeren Zeitraum durchgeführt wurde,
bestätigt eine lang andauernde Immunität. Schweizer Forscher beobachteten
7000 Pferde, die nur grundimmunisiert wurden, über einen Zeitraum von 12 Jahren.
Keines der Pferde erkrankte.
Eine Gruppe von Pferden, deren Grundimmunisierung 5-8 Jahre zurücklag, wurde
mit der dreifach tödlichen Dosis des Tetanustoxins konfrontiert. Auch hier
erkrankte keines der Pferde, obwohl bei einem Teil der Pferde keine Antikörper
im Blut mehr nachweisbar waren.
Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass nach
der Grundimmunisierung die Schutzwirkung zeitlebens erhalten bleibt, auch
wenn nach vielen Jahren Antikörper im Blut fehlen. Bei der geringsten Zufuhr
des Gifts von Tetanusbakterien bildet der Organismus wieder rasch und reichlich
Antikörper.
Auf der Grundlage
der oben angeführten Untersuchung wurde bis 2001 in der Schweiz
ein Tetanus-Impfstoff vertrieben, für den die lebenslange Schutzwirkung angegeben
wurde.
In anderen Ländern,
beispielsweise in Australien, sind Tetanus-Impfstoffe auf dem Markt, für die
ein Intervall zur Impfauffrischung von 5 Jahren angegeben wird.
Tollwutimpfung trotz Tollwutfreiheit?
Tollwut ist
eine meldepflichtige Erkrankung des zentralen Nervensystems. Behandlungsversuche
an tollwutkranken Tieren sind verboten. Tollwut bei Pferden war in Deutschland in den letzten 20 Jahren glücklicherweise eine seltene Ausnahme. Inzwischen gibt es auch bei Füchsen keine Tollwutfälle mehr, was auf die Köderimpfungen zurückgeführt wird. Seit 2008 ist Deutschland tollwutfrei.
Fledermaustollwut kommt weiterhin vor. Fledermäuse sind in unseren Breiten reine Insektenfresser. Eine Ansteckung über "Blutsaugen" ist also nicht möglich. Es ist kein Fall berichtet worden, bei dem ein Pferd sich mit dem Fledermaus-Tollwutvirus infiziert hat.
Tollwutimpfstoffe für Pferde sind weiterhin verfügbar, doch wegen des praktisch nicht vorhandenen Risikos entscheiden sich viele Pferdehalter gegen eine Tollwutimpfung.
Influenzaimpfung - läuft und läuft und läuft
Influenza ist für ansonsten gesunde Pferde eine ungefährliche Erkrankung, die sich durch Husten und Fieber äußert. Sie kann zu Komplikationen führen, wenn den erkrankten Tieren nicht ausreichend Zeit zur Erholung gegeben wird.
Aus diesem Grund wird der sogenannte "Hoppegartener Husten" besonders von den Rennpferdebesitzern gefürchtet. Die Erkrankung der Tiere hat wirtschaftliche Schäden zur Folge, vom Trainingsausfall bis zur Absage von Rennen. Renn- und Sportpferde benötigen bei einer Influenza-Erkrankung mehrere Wochen, bis sie wieder trainiert werden und volle Arbeitsleistung geben können. Die Influenza-Impfung ist deshalb für die wirtschaftlich ausgerichtete Pferdehaltung von großem Interesse.
Für den Freizeitreiter dagegen, der von Zeit zu Zeit an einem Turnier teilnehmen möchte, besteht die beste Influenza-Vorsorge in artgerechter Haltung des Pferdes und ausreichend Zeit zur Erholung im Krankheitsfall. Er wird jedoch durch die Vorschriften der FN gezwungen, gegen Influenza zu impfen, wenn er an einer Leistungsprüfung teilnehmen möchte.
Die Influenza-Erkrankung kann - ähnlich der Menschengrippe - durch eine Vielzahl unterschiedlicher Viren hervorgerufen werden, die sich dazu noch häufig verändern. Bei der Impfung werden inaktivierte Viren oder Virenbestandteile von zumeist drei verschiedenen Virenstämmen verabreicht. Die Zusammensetzung der Virenstämme ist bei den auf dem Markt befindlichen Impfstoffen unterschiedlich. Der jüngste in Impfstoffen verwendete Virenstamm ist aus dem Jahr 2003.
Da sich die
Viren ständig ändern, ist die Schutzwirkung in der Praxis nicht vorhanden.
Das wird auch durch zahlreichen Untersuchungen an Influenza-Epidemien
in Rennställen in der ganzen Welt belegt. Es sind gleichermaßen geimpfte wie
ungeimpfte Tiere betroffen. So erkrankten laut einer Vergleichsstudie über
eine Influenza-Epidemie in einem kanadischen Rennstall 18 von
113 geimpften Pferden gegenüber 26 von 120 ungeimpften Pferden.
Der Forderung der Forscher, man solle von einer empfohlenen Impfung zur Verhinderung
von Atemwegserkrankungen beim Pferd doch mindestens erwarten können, dass
die Erkrankungsrate bei geimpften Pferden halbiert wird, kann man sich nur
anschließen.
Nunmehr bald 50 Jahre Forschung und Entwicklung für Pferdeinfluenza-Impfstoffe haben keinen wirkungsvollen Schutz gegen die Infektion hervorgebracht. Warum die Verbände dann weiter an dieser Impfung festhalten und für die an ihren Veranstaltungen teilnehmenden Pferde vorschreiben, bleibt ihr Geheimnis.
Pferdehalter, die der Influenza-Impfung kritisch gegenüber stehen, haben bei der FN nachgefragt, auf welcher wissenschaftlichen Grundlage die Einführung der Influenza-Impfpflicht für Turniere beruht. Eine Antwort bekamen sie nicht. Stattdessen wurden sie an Prof. Thein verwiesen, Fachtierarzt für Pferde, ehemaliger Bayer-Mitarbeiter und Miterfinder mehrerer Pferdeimpfstoffe.
Als Vorsorge gegen die Pferdeinfluenza sollte man besser auf artgerechte Tierhaltung setzen als auf Impfstoffe ohne Schutzwirkung. Um Komplikationen vorzubeugen, muss man seinen Pferden bei einer Influenza-Erkrankung ausreichend Ruhe gewähren.
Herpes - Immunsystem stärken statt Impfen
Herpesviren werden für Atemwegserkrankungen, Aborte und Lähmungserscheinungen verantwortlich gemacht. Jedoch hat sich ein hoher Prozentsatz der Pferde in Deutschland bereits im Alter von 3 Jahren mit Herpesviren auseinandergesetzt, ohne zu erkranken.
Ähnlich der
Influenza-Schutzimpfung lassen sich Erfolge einer Herpes-Schutzimpfung in
der Praxis nicht erkennen. Im Gegenteil, es gibt sogar Untersuchungen, die
eine Zunahme von Stutenaborten nach Einführung der Schutzimpfung nachweisen.
Auch schwere neurologische Verlaufsformen werden durch die Impfung nicht verhindert.
So erkrankten in Ohio in einem Stall mit 144 Pferden 85% - das sind 122 Pferde.
12 der erkrankten Pferde starben, bzw. mussten getötet werden. Alle Pferde waren gegen Herpes
geimpft.
Und auch bei den seit einigen Jahren in Deutschland auftretenden Herpesinfektionen mit schwerem, teils tödlichem Verlauf, erkranken und sterben nach Herstellervorschrift geimpfte Pferde.
Ebenso wie für die Pferdeinfluenza gilt hier, dass ein natürlich starkes Immunsystem
die beste Vorsorge ist. Die Impfung schützt nicht.
Fazit
Die Tetanus-Grundimmunisierung
von Pferden ist empfehlenswert. Untersuchungen und Testinfektionen belegen,
dass grundimmunisierte Tiere selbst ohne nachweisbare Antikörper im Blut geschützt
sind.
Die Influenza-Impfung
zeigt in der Praxis keine Schutzwirkung, die eine Impfempfehlung rechtfertigen
würde. Die Impfvorschriften der FN lassen sich anhand der Ergebnisse objektiver
wissenschaftlicher Untersuchungen nicht nachvollziehen.
Auch die Herpes-Impfung
schützt die Pferde nicht vor einer Erkrankung. Für die Gesunderhaltung der
Pferde ist artgerechte Haltung die beste Vorsorge.
Quellen bei
der Verfasserin
© Sabine Müller 2009
